Osterräder – Symbolik, Bedeutung und Vorstellungswelt unserer Vorfahren
Die Geschichte der Osterräder oder auch Feuerräder ist verbunden mit der Geschichte des Rades. Gemeint ist hier aber nicht das von unseren Vorfahren verwendete Gebrauchsrad, zum Beispiel das Rad am Ackerwagen. Es ist vielmehr die Geschichte und Bedeutung der sogenannten Kulträder.
Kulträder des Altertums dienten ausschließlich religiösen Zwecken. Sie hatten daher auch ihren festen Platz in der religiösen Vorstellungswelt unserer Vorfahren. Das Osterrad als Kultrad ist ein Vierspeichenrad. Im alltäglichen Gebrauch wurden auch früher immer Mehrspeichenräder verwendet. Aus Stabilitätsgründen hatten sie sechs Speichen und mehr. Häufig sieht man die Vierspeichenräder noch auf alten Felszeichnungen. Wie zum Beispiel auf den Felszeichnungen in Südschweden (Aspeberget - Gotland). Diese um 1.300 vor Christi Geburt gezeichneten Räder sind weder Gebrauchsgegenstand noch Schilde für die abgebildeten Krieger. Sie sind ausschliesslich als Schutzzeichnen (Kultrad) zu verstehen. Dafür spricht ihre isolierte bildliche Position. Auch ein Kreuzzeichen im christlichen Leben ist hier begrifflich mit einzuordnen.
Ein besonders schönes Beispiel eines Vierspeichenkultrades befindet sich am sogenannten Sonnenwagen von Trundholm (germanischer Kultgegenstand). Eine kultische Bedeutung hatte das Rad als Bewegungs- und Sonnenzeichen. Zum Beispiel als Rad des Wagens, mit dem die Sonne am Himmel entlangfährt. Auch bringt man das Vierspeichenrad mit dem Mondkult, Odins Ring oder Donars Rad in Verbindung. Die vier Speichen bedeuten hier die vier Phasen des Mondes oder die vier Himmelsrichtungen. Unsere Vorfahren, die Germanen, kannten bis weit in die Zeit nach Christi Geburt keine Götterbilder. Sie verehrten die Unsichtbarkeit der Götter ausschließlich in Symbolen. Eines dieser Symbole ist das Vierspeichenrad. Schon Tacitus berichtet von ochsenbespannten Kultwagen in Südjütland (Dänemark). Die Kultwagen würden Gottheiten darstellen, auf denen daher kein Sterblicher stehen durfte. Siehe auch die Abbildung vom Sonnenwagen, auf dem der Mensch als Wagenlenker fehlt. Alle wiedergegebenen Bilder des Vierspeichenkultrades sind somit auch vom Inhalt her vergleichbar. Nämlich mit der Idee des unsichtbaren Gottes. Am einfachsten lassen sich die Vierspeichenräder als Bitte erklären. Als Bitte an einen unsichtbaren Gott, der besseres Wetter und eine gute Ernte senden möge. Der Symbolcharakter als Schutzzeichen spiegelt sich wieder in dem Lügder Osterrad. Das Osterrad als Sonnen- oder Feuerrad, dem Abbild eines germanischen Kultrades. Ein Kultrad, das in der Pflege des Brauchtums heute noch ein Schutzzeichen verstanden wird. Ein Kultrad, das einen antiken Himmelsgott zu verehren scheint. Einen Himmelsgott, der über Wetter, Wachstum, Ernte und das tägliche Brot waltet.