Vorabinformation zum Osterräderlauf
Wer heute dem Osterräderlauf zusieht, denkt weniger an seine Ursprünge oder an seine Bedeutung. Er lässt sich gefangen nehmen von einer fast geheimnisvollen Stimmung. Einer Stimmung, die durch die Erwartung Tausender von Menschen spürbar wird. Denn überall im Tal, auf dem Osterberg und auf den umliegenden Bergen stehen sie in der Dunkelheit, um das Ereignis zu sehen.
Die Vorbereitungen beginnen am frühen Nachmittag des Oster-Sonntags. Die sechs zirka 1,70 Meter hohen Osterräder werden zum Osterberg gefahren. Transportiert werden sie auf einem alten Leiterwagen. Leiterwagen werden die alten Transport-Anhänger der landwirtschaflichen Betriebe genannt. Den ersten Teil der Wegstrecke wird der Leiterwagen von zwei Pferden gezogen. Bei den Pferden handelt es sich um sogenannte Kaltblüter. Das sind sehr kräftige Pferde, die früher als Zug-Pferde bei den landwirtschaftlichen Arbeiten eingesetzt wurden. Bevor die Räder auf dem Berg gebracht werden, erfolgt ein kleiner Stadtrundmarsch. Dabei werden die Osterräder begleitet von den „Dechen”, den Mitgliedern des Dechenvereins. Neben den Leiterwagen mit den Osterrädern wird auch noch der Anhänger mit dem extra langen Roggen-Stroh zum Berg hinauf gefahren. Das Stroh wird für das Stopfen der Räder benötigt und eigens dafür in traditioneller Weise angebaut.
Sofort nach der Ankunft auf dem Osterberg werden Stroh und Räder abgeladen. In der Nähe der Stelle, von der die Osterräder ins Tal gestossen werden, steht ein sehr großes, beleuchtetes Holzkreuz, das Osterkreuz. Jetzt beginnt für die Dechen eine schweißtreibende Arbeit. Denn alle sechs Räder müssen bis zum Einbruch der Dunkelheit mit Stroh gestopft werden. Der Beginn dieser Arbeit wird mit einen lautem Böllerknall aus einer Kanone angekündigt. Die Kanone steht in unmittelbarer Nähe des Osterkreuzes. In mühsamer Arbeit wird das Stroh in kleine Büschel geteilt und mit gedrehten Haselnussruten zusammengebunden. Diese Strohbüsche werden dann in die Kreuzbalken der Räder eingeflochten. Ungefähr 15 bis 20 Bund langes Roggenstroh werden so nach und nach kunstgerecht in das Rad geflochten. Diese Arbeit muss sehr sorgfältig und gewissenhaft ausgeführt werden. Nur so kann verhindert werden, dass sich das Stroh nicht vorzeitig aus dem Rad löst. Denn das Rad muss auf den Weg in das Tal einige steile Abhänge überwinden. Dabei kommt es sogar zu kleinen Flugeinlagen der Räder. Wenn ein Rad fertig gestopft ist, wird das mit drei Böllerschüssen aus der Kanone kundgetan.
Die Spannung steigt bei Einbruch der Dunkelheit. Zunächst wird ein großes Feuer angezündet, das Osterfeuer. Gegen 21.00 Uhr ist es dann soweit. Ein Böllerschuss kündigt den Beginn des Räderlaufes an. Die Beleuchtung am Osterkreuz erlischt. Das erste Rad wird angezündet. Die Flammen schlagen hoch, man glaubt, es würde ausbrennen noch bevor es den Lauf antritt. Die Stelle, von der die Räder abgestossen werden, befindet sich zwischen dem Osterfeuer und dem Osterkreuz. Dann wird das Rad mit Hilfe von Stangen in Bewegung gesetzt. Ist das Rad im Tal angekommen, ist auch das Osterkreuz wieder erleuchtet. Mit gleicher Zeremonie werden auch die fünf anderen Räder vom Osterberg abgestossen. Anschließend folgt noch ein prachtvolles Höhenfeuerwerk. Den Abschluss des Osterräderlaufes kündigt ein feierliches Glockenläuten der Kirchen an. Nach der Überlieferung ist mit einer guten Ernte zu rechnen, wenn alle Räder im Tal angekommen sind.